September 9, 2026

Manager, Field Sales Engineering

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Jetzt abonnierenSeit dem 1. Juli 2026 kostet jede Kleinsendung aus einem Drittland mindestens 3 EUR Zoll. Ab dem 1. November 2026 kommt eine Bearbeitungsgebühr von rund 2 EUR pro Sendung hinzu. Seit dem 3. Februar 2026 akzeptiert der EU-Zoll ausschließlich Vorabanmeldungen im neuen ICS2-Format Version 3 – für einzelne Schienenkorridore und Mitgliedstaaten galten verlängerte Übergangsfristen bis März beziehungsweise Juni 2026. Drei Stichtage, ein gemeinsamer Effekt: Der Weg eines Pakets von der Fabrik in Asien bis zur Haustür in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sieht 2026 anders aus als noch 2025. Das spüren Kurier-, Express- und Paketflotten (KEP) zuerst auf der letzten Meile.
Die EU-Zollrechtsreform läuft nicht auf einen Schlag an, sondern in Etappen, die sich gegenseitig verstärken:
3. Februar 2026: Die dritte und letzte Stufe von ICS2 wird für den Straßenverkehr verbindlich, für den Schienenverkehr mit einer Übergangsfrist bis 1. März 2026. Wer eine Sendung in die EU einführt, muss vorab eine vollständige summarische Eingangsanmeldung (ENS) im v3-Format übermitteln. Fehlende oder fehlerhafte Anmeldungen führen nicht mehr zu Nachbesserungen, sondern zur Zurückweisung an der Grenze.
1. Juli 2026: Die bisherige Zollfreigrenze von 150 EUR für Kleinsendungen aus Drittländern entfällt. An ihre Stelle tritt ein pauschaler Zoll von 3 EUR je Warenkategorie beziehungsweise Tarifposition, befristet bis zur Einführung der EU-Zolldatenplattform im Jahr 2028.
1. November 2026: Eine EU-weite Bearbeitungsgebühr von rund 2 EUR je Sendung mit geringem Warenwert soll die gestiegenen Kosten der Zollbehörden decken. Die genaue Höhe legt ein delegierter Rechtsakt fest.
Für Organisationen, die Kleinsendungen aus Nicht-EU-Ländern beziehen oder verteilen, verändert sich damit sowohl der Preis als auch der Ablauf der Einfuhr. B2B-Sendungen bleiben von den neuen Gebühren unberührt, betroffen ist vor allem der Direktversand an Verbraucher.
Allein 2025 erreichten rund 5,8 Milliarden Kleinsendungen die EU, neun von zehn davon aus China. Branchenberater gehen davon aus, dass dieses Volumen nicht verschwindet, sondern sich neu organisiert: weniger Einzelversand direkt aus Asien, dafür mehr gebündelte Importe in europäische Lager mit anschließender Feinverteilung innerhalb der EU. Plattformen wie Temu und Shein verlagern ihre Bestände bereits zunehmend in europäische Distributionszentren, von denen aus Bestellungen erst bei Kaufabschluss versandfertig gemacht werden. Das senkt die Komplexität der Zollabwicklung pro Sendung und verkürzt die Lieferzeit zum Kunden, verschiebt aber das Volumen dorthin, wo die letzte Meile beginnt: an die EU-Hubs selbst.
Für Zustellflotten in der DACH-Region ergeben sich daraus drei konkrete Verschiebungen:
Mehr Volumen ab EU-Hubs. Wenn Ware künftig gebündelt in europäische Lager fließt statt einzeln aus Asien, verlagert sich das Sendungsaufkommen von der Grenzabfertigung auf die innereuropäische Verteilung. Für Flotten heißt das mehr Stopps pro Tour und mehr Touren pro Hub, gerade in Ballungsräumen mit hoher Zustelldichte.
Längere Abfertigungszeiten an den Außengrenzen. ICS2 verlangt vollständige Vorabanmeldungen, bevor eine Sendung die EU-Außengrenze erreicht. Unvollständige oder fehlerhafte Daten führen zur Zurückweisung, nicht zur Nachbesserung. Für Flotten, die auch grenzüberschreitend fahren, etwa in die Schweiz oder über osteuropäische Korridore, steigt damit das Risiko unplanmäßiger Standzeiten.
Neue Anforderungen an Hof- und Zeitfenstermanagement. Wenn mehr Sendungen zeitgleich an denselben Hubs ankommen, wird jede Minute an Rampe und Hof knapper. Um SLA-Zusagen trotz veränderter Warenströme zu halten, brauchen Disponenten belastbare Ankunftszeiten und die Möglichkeit, Zeitfenster kurzfristig anzupassen, statt auf veraltete oder manuell gepflegte Daten zu vertrauen.
Dieser Wandel der Warenströme lässt sich nicht per Zollbescheid abfedern, sondern nur mit besserer betrieblicher Sicht auf die eigene Flotte.
Echtzeit-GPS-Tracking zeigt Disponenten, wo sich jedes Fahrzeug gerade befindet, und liefert präzise Ankunftszeiten für neue Hub-and-Spoke-Verkehrsmuster. Statt auf grobe Zeitfenster zu schätzen, sehen Teams, wann ein Fahrzeug tatsächlich am Hof eintrifft, und können Rampen- und Zeitfenstermanagement entsprechend anpassen.
Dynamische Routenoptimierung hilft, mehr Stopps pro Zustelltour unterzubringen, ohne die Zustellqualität zu gefährden, wenn sich das Sendungsvolumen auf der letzten Meile verdichtet.
Digitale Fahrer-Workflows beschleunigen die Dokumentation an Zollpunkten und Übergaben. Statt Papierbelege nachträglich zu erfassen, dokumentieren Fahrer Ankunft, Übergabe und Auffälligkeiten direkt im Fahrzeug, was die Nachverfolgung bei Rückfragen der Zollbehörden erleichtert.
Die EU-Zollreform 2026 ist mit ICS2, dem Wegfall der Zollfreigrenze und der kommenden Bearbeitungsgebühr noch nicht am Ende der Übergangsphase. Bis zur vollständigen EU-Zolldatenplattform im Jahr 2028 bleiben Anpassungen wahrscheinlich. Flotten, die schon jetzt volle Sicht auf ihre Fahrzeuge, Standzeiten und Zustelltouren haben, sind darauf besser vorbereitet als jene, die sich weiterhin auf Schätzwerte verlassen.
Diese Art von Sichtbarkeit zahlt sich in der Praxis aus: An Standorten, an denen DHL Express Samsara vollständig einsetzt, sanken die Unfälle um 26 % und die unfallbedingten Kosten um 49 %. Für Flotten, die jetzt mit mehr Hub-Volumen und engeren Zeitfenstern planen müssen, ist genau diese betriebliche Sicht der Hebel.
Dieser Artikel behandelt die EU-weite Zollreform für den grenzüberschreitenden E-Commerce- und Paketverkehr. Für die spezifischen Anforderungen der österreichischen Transit-MRN-Pflicht siehe den separaten Artikel "Smart Border Austria".
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